Andjé Pietrzyk und ROSSO ließen bildende Kunst und Koch.Kunst.Hand.Werk gemeinsam entstehen. Ein Atelierabend über Feuer, Hingabe und den Luxus, einander Zeit zu schenken.
Linz, 11. Oktober 2026. Ein Künstler vor einer großen Leinwand. Köche am offenen Feuer. Dazwischen 22 Gäste, die nicht nur betrachteten und kosteten, sondern über Stunden miterlebten, wie etwas entsteht.
Auf Initiative von Aldona Obolewska entstand die Idee zu dieser besonderen Begegnung zwischen dem Künstler Andjé Pietrzyk und dem Linzer Restaurant ROSSO di Acqua e Sole.
Am 10. Oktober luden der Künstler Andjé Pietrzyk und das Linzer Restaurant ROSSO di Acqua e Sole zum Atelierabend FEUER. Es wurde kein klassisches Dinner und keine Vernissage. Vielmehr entstand eine Begegnung zweier schöpferischer Welten, die für einen Abend denselben Raum und dieselbe Zeit teilten.
Koch.Kunst.Hand.Werk trifft bildende Kunst
Für ROSSO-Patron Ingmar Goetzloff war FEUER auch eine erste bewusste Annäherung an die bildende Kunst. Ausgangspunkt war eine einfache Frage: Was geschieht, wenn Koch.Kunst.Hand.Werk und bildende Kunst nicht nacheinander präsentiert werden, sondern zur selben Zeit, am selben Ort und vor denselben Menschen entstehen?
Während Andjé Pietrzyk an einer großformatigen Leinwand arbeitete, bereitete das ROSSO-Team seine Gerichte zu. Pinsel und Messer, Farbe und Glut wurden zu Werkzeugen zweier sehr unterschiedlicher Handwerke.
Nicht allein das fertige Werk stand im Mittelpunkt, sondern der Weg dorthin.
„Die spannende Aufgabe war für mich, Koch.Kunst.Hand.Werk und bildende Kunst gleichzeitig entstehen zu lassen. Nicht das fertige Bild auf der einen und das fertige Gericht auf der anderen Seite, sondern den Moment des Schaffens gemeinsam erlebbar zu machen.“
Ingmar Goetzloff, ROSSO
Feuer als verbindendes Element
Das Feuer gab dem Abend seinen Namen und zugleich seinen Rhythmus.
Draußen wurde auf Glut gearbeitet, drinnen brannte der offene Kamin. Das Küchenteam bewegte sich mit seinen Gerichten durch das Atelier und bereitete einzelne Komponenten unmittelbar vor den Gästen zu.
Kingfish traf auf Glutlauch, Ponzu und Fingerlimette. Kartoffeln wurden in der Glut vollendet und mit Pepino-Melone und Buttermilch kombiniert. Goldrübe, geräucherte Ricotta und Stör, Steinchampignons und Reh-Tatar zeigten unterschiedliche Facetten einer Küche, in der Feuer nicht Effekt, sondern Werkzeug war.
So wie sich Pietrzyks Bild Strich für Strich veränderte, entstanden auch die Gerichte erst im Augenblick des Abends.
Der unerwartete Luxus: Zeit
Aus dieser Gleichzeitigkeit entwickelte sich etwas, das sich kaum inszenieren lässt: Entschleunigung.
Das Atelier, der offene Kamin, das Feuer und die bewusst kleine Runde ließen dem Abend Raum. Zwischen Kunst und Kulinarik entstanden Pausen, Gespräche und Begegnungen.
Es gab keinen Zwang, von einem Programmpunkt zum nächsten zu eilen. Man konnte beobachten. Zuhören. Fragen stellen. Weiterreden. Oder einfach dem Künstler bei seiner Arbeit zusehen.
Und genau darin lag eine besondere Qualität von FEUER.
Andjé Pietrzyk erzählte im Laufe des Abends immer wieder persönliche Geschichten aus seinem Leben und seiner Arbeit. Die Gäste begegneten ihm nicht aus der üblichen Distanz einer Ausstellung oder eines kurzen Künstlergesprächs. Sie hatten über Stunden Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, ihm beim Arbeiten zuzusehen und einen Menschen hinter seinen Werken kennenzulernen.
Nähe wurde Teil des Abends.
„Ich lebe für die Hingabe“
Vielleicht fand diese Nähe ihren stärksten Ausdruck in einem Satz, den Andjé Pietrzyk im Laufe des Abends spontan aussprach:
„Ich lebe für die Hingabe, für die Welt, für die Menschen. Das möchte ich hinterlassen.“
Ein Gedanke, der nicht geplant war und dennoch wie eine Überschrift über dem Abend stehen könnte.
Denn Hingabe verband an diesem Abend vieles: einen Künstler mit seiner Leinwand, Köche mit ihren Produkten und Menschen miteinander.
Pietrzyk gab den Gästen zudem Einblicke in seine aktuelle künstlerische Auseinandersetzung mit Gustav Klimt. Bereits entstandene Skulpturen waren im Atelier zu sehen. Für 2027 ist eine Ausstellung zu diesem Werkkomplex geplant.
Was bleibt
Am Ende blieb nicht nur ein Bild. Und nicht nur die Erinnerung an ein Menü.
Es blieb die Erfahrung, zwei Formen des Schaffens gleichzeitig beobachten zu können. Ein Gericht entsteht und vergeht. Ein Bild entsteht und bleibt. Beiden gemeinsam sind Handwerk, Intuition, Veränderung und der Moment, in dem entschieden werden muss: Jetzt ist es fertig.
Vielleicht war FEUER deshalb vor allem ein Experiment über Zeit.
Zeit, die man einem Werk gibt.
Zeit, die man einem Gericht gibt.
Und vor allem Zeit, die Menschen einander geben.
Unser Dank gilt Aldona Obolewska, auf deren Initiative diese Begegnung überhaupt erst entstanden ist, allen Gästen, die sich auf diesen ungewöhnlichen Abend eingelassen haben, und allen Mitwirkenden.
Dem ROSSO-Team mit Armin Mayrhofer, Christoph Ranetbauer, Djordje Materic und Tatja Boysen, die Koch.Kunst.Hand.Werk für einen Abend aus dem Restaurant mitten ins Atelier getragen haben.
Und ganz besonders Andjé und Lisa, die ihr Atelier, ihre Kunst und vor allem ihre Zeit geöffnet und diesen Abend in dieser Form möglich gemacht haben.
Es war eine Schöne Zeit.
Euer Ingmar Goetzloff & Eleni Chatzopoulou
Fotos: Ruth Precup | SoulSpaceStudios





















